Lamu – Insel der Festivals

Ein Beitrag von Arnold Starosczyk (Lamu). Über das ganze Jahr verteilt gibt es verschiedene Feste auf der Insel Lamu: Das bekannteste davon ist das Lamu Cultural Festival, das heuer bereits zum 16. Mal stattfinden wird.

Ende Dezember (gleich nach Weihnachten) wird das Maulidi Festival gefeiert. Dieses ist zu Ehren des Geburtstags des Propheten Mohamed. Es ist etwas ähnlich wie das Cultural Festival aber mit einem mehr religiösen Hintergrund. Da gibt es u. a. auch Wettbewerbe zum Rezitieren des Korans, eine Prozession zur Riyadha Moschee, Henna-Wettbewerbe oder Bao Game (traditionelles Brettspiel). Am 1. Januar findet dann das traditionelle Dhow Race in Shela statt. Auch das ist sehr beeindruckend, vor allem wenn man die Sanddünen etwas hochsteigt und sieht, wie alle Boote auf dem Kanal zwischen Shela und Manda segeln. Als ich dieses Rennen zum ersten Mal erlebte, hatte ich mich wie ins Mittelalter zurückversetzt gefühlt.

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Anfang März 2017 wird  das Lamu Yoga Festival bereits zum 3. Mal abgehalten. In den vergangen beiden Jahren ist es sehr gut angekommen.  Die Veranstalter lassen sich auch immer sehr viel einfallen: da gibt es z. B. eine Yoga Session zum Sonnenaufgang am Shela Beach oder auch auf einem Surfboard im Wasser.

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Heute möchte ich jedoch über das Lamu Cultural Festival berichten. Dieses Jahr wird es zwischen dem 10. und 13. November abgehalten. Die faszinierendsten Veranstaltungen sind Bootsregatten. Etwa 15 Große Dhows segeln Richtung Festland, dann zurück nach Lamu, weiter Richtung der Insel Manda bevor dann das Ziel in Lamu ist. Interessant zum Beobachten sind auch die Wendemanöver. Da wird um jeden Meter bzw. den optimalen Kurs gekämpft, manchmal kentern leider auch mal Boote. Nach dem Zieleinlauf wird dann richtig gefeiert: jeder will auf das Siegerboot aufspringen, manche klettern den Mast hoch. Das Bootsrennen kann man am Besten von der Seafront aus beobachten, man kann aber auch mit kleinen Motorbooten dem Rennen folgen. Wie war doch gleich nochmal der Spruch von einem Sportsender vor langer Zeit in Deutschland? Mittendrin statt nur dabei!

Ein weiteres Highlight sind die Eselsrennen entlang der Seafront. Da wird alles gegeben, nur manchmal kommt es aber auch vor, dass der Esel nicht so will und er den Reiter abwirft.

Abends finden auf dem Mkunguni (Stadtplatz vor dem Lamu Fort) und an der Seafront traditionelle Tänze statt. Zusätzlich gibt es noch Ausstellungen im Lamu Fort, ein Fußballturnier, einen Schwimmwettbewerb und einiges mehr.

Während der Festivals platzt die Stadt aus allen Nähten: Hotels sind ausgebucht und das kenianische Fernsehen macht abends Live-Schaltungen. Und auch das Kenya Tourism Board ist mit von der Partie!

JamboHouse Lamu ist 3 Minuten vom Stadtplatz mit dem Lamu Fort entfernt. Gäste können den Sonnenaufgang von unserem neuen Top Roof sehen und dann, nach einem guten Frühstück, das Festival genießen.


Arnold Starosczyk (Jambo House) Jambo Logo

Arnold Starosczyk ist Eigentümer und Betreiber des Jambo House, eines Gästehauses auf der Insel Lamu. Alle hier veröffentlichten Fotos (c) Arnold Starosczyk / Jambo House.


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Erinnerungen an Shela

Ein Bericht von John Njau, übersetzt von Angelika Schuetz (Lamu). Ich bin im Dorf Shela, am südlichen Zipfel der Insel Lamu. Ich lasse in meinem Kopf die letzten eineinhalb wunderbaren Jahre Revue passieren, in denen ich im Tourismus gearbeitet habe.

Boote am Dorfstrand von Shela
Boote am Dorfstrand von Shela

Shela ist eine jahrhundertealte Bajuni Siedlung – die Bajunis sind eine Untergruppe der Swahili – traditionell von der Fischerei und, seit geraumer Zeit auch, vorwiegend vom Tourismus lebend.

Minarett der Freitagsmoschee
Minarett der Freitagsmoschee
Gasse im Dorf Shela
Gasse im Dorf Shela

Die Bevölkerung ist eine vielfältige Mischung, die Bajunis eindeutig in der Mehrheit. An den Abenden findet man eine anschauliche Anzahl an hier angesiedelten Ausländern (mit einer gesunden Anzahl an einheimischen Gastgebern), die in der Bar und im Restaurant des Peponi Hotels herumsitzen. Heute abend flüstert ein ausgesprochen schneidiger New Yorker bei einem Glas Wein mit einer jungen Italienischen Dame. Eine Modedesignerin aus Nairobi löffelt herzhaft in einer Eiscreme. Ein Hotelmanager, auch aus Nairobi, bewegt den Kopf zum Rhythmus der Musik, die im Hintergrund in der schwülen Abendluft dahinschwebt. Ein Bankkaufmann aus Malindi erheitert mich mit Geschichten einer lustigen Brautwerbung. Nebenan erinnert sich ein pensionierter englischer Pilot an seine Zeiten als ‘Fahrer’ (so drückt er sich aus) bei Kenya Airways. Ein europäischer Sportangler, in Lamu aufgewachsen, unterhält sich fließend auf Kiswahili, mit einem schweren Bajuni-Akzent. Er könnte genauso gut Griechisch sprechen, so wenig kann ich ihn verstehen. Sein Hund, ein wenig langsam und alt, liegt geduldig zu seinen Füssen. Ein pensionierter Restaurateur mit buschigen Augenbrauen, der einst eines der feinsten Restaurants in Nairobi betrieb, spricht mit seinen Tischnachbarn über den Häusermarkt. Ich schaue mich um in dieser Mixtur von Menschen und ich denke ‘nur auf Lamu’.

Sonnenuntergang am großen Strand
Sonnenuntergang am großen Strand
Crab Plovers
Reiherläufer am Strand

Kenianische, dänische, holländische, deutsche, koreanische, englische und italienische Geschäftsfrauen und –männer haben hier in der Tourismusindustrie heftig investiert. Hotels mit Weltklassenniveau und private Ferienhäuser stehen nah beieinander neben einheimischen Etablissements und Privathäusern. Die Insel ist einzigartig in dem Sinne, dass sie fast frei ist von Fahrzeugen. Während meiner Zeit habe ich nur vier Fahrzeuge gezählt: Den Geländewagen des County Commissioners, zwei Ambulanzfahrzeuge (eine für Menschen und eine für Tiere) und den Traktor der Gemeinde, welcher die Müllabfuhr von Lamu Stadt bewerkstelligt. In diesen engen Sträßchen und Gassen wären motorisierte Straßenfahrzeuge ohnehin niemals eine Option für Lamu. Perfekt also, dieses tropische Inselchen, für alle diejenigen, die ‘von allem weg’ wollen.

Müllabfuhr in Shela
Müllabfuhr in Shela
Gasse mit Esel
Gasse mit Esel

Ungewöhnlicherweise bin ich heute zum Sonnenaufgang am Strand. Eigentlich bevorzuge ich am Ende des langen Arbeitstages am Strand entlang zu laufen. Es ist ein ziemlich normaler Tag, alles in allem, sonnig und drückend, mit der melodiösen Stimme des Muezzins, zu den festgelegten Zeiten des Gebetsrufes. Es ist ein Tag der Besinnung und ich bereite mich auf den Abschied vor, den Abschied von diesem Stück Küste. Ich habe vorher noch nie in einem Dorf gelebt.

Dünen von Shela
Dünen von Shela
Boote im Sonnenaufgang
Boote im Sonnenaufgang

Das Leben in Nairobi (wie auch in anderen Großstädten) ist tendenziell eine recht egoistische Angelegenheit: eingezäunte Grundstücke mit Einfahrtstoren sind die Norm. Es war eine ziemliche Veränderung für mich, mich in dieses Leben zu integrieren, ein Leben frei von unnötiger Einengung; keine Zäune, keine Tore, letztendlich keine Sorgen. Nie und nirgendwo habe ich mich sicherer gefühlt als in Shela. Aber meine Zeit hier läuft ab, leider, und obschon ich den Abschied fürchte, ich habe so viel, wofür ich dankbar bin. Tourismus ist natürlicherweise ein Saisongeschäft und im Augenblick ist der Rückgang in dieser Sparte ein bisschen alarmierend. Ich würde natürlich gerne bleiben aber meine Position ist zur Zeit nicht länger vertretbar.

Duka Rangaleni
Duka Rangaleni
Bunny Allen House
Bunny Allen House

In den folgenden Tagen sehe ich alles mit neuen Augen sozusagen. Ich finde große Freude an dem Gefühl von Sand unter meinen Füßen als ich barfuß am Strand laufe. Der Kanal von Lamu hat nichts an seinem Charme verloren. Die Dhows und Fischerboote dümpeln seicht am Anker, perfekt wie im Bilderbuch. Die vorgelagerte Insel Manda mit seinem Strand ist bezaubernd wie immer. Shela Beach, die gesamten 13 Kilometer, es ist eine Freude diesen Strand entlang zu wandern. Mir wird das jetzt alles sehr bewußt, wissend, dass ich in weniger als einer Woche zurückkehren werde in die Anonymität von Nairobi. Es ist ein beschaulicher Ort zum Leben und diese Beschaulichkeit wir noch verstärkt durch die fehlenden Besucherzahlen in der Gegend.

Mohamed mit Hunden am Strand
Mohamed mit Hunden am Strand
Salim mit Fisch
Salim mit Fisch

Ich sitze auf der gepolsterten Bank des Bootes mit dem Namen ‘I’ll Be Back’, meinen Koffer zu meinen Füßen. Abschiedsschmerz überkommt mich, aber es muss sein, und ich plane wiederzukommen, eines Tages. Der Motor springt an und wir gleiten hinfort von der Shela Küste. Diese ist der von Amalfi nicht unähnlich, Amalfi vor etwa 20 Jahren.

I'll Be Back
I’ll Be Back
Käpt'n Aswif
Käpt’n Aswif

Meine Gedanken wandern zu den Menschen von Shela. Ich habe mitten unter ihnen gelebt, eineinhalb Jahre lang und sie sind mir immer mit Höflichkeit  begegnet, mich würdigend als Gast. Ich werde Salim vermissen, den Fischer, der verläßlich zwei- oder dreimal die Woche an meine Tür klopfte mit dem feinsten frischen Fang von Rotbarsch; Aswif, Yusuf und Thabit unsere gutgelaunten Bootskapitäne von Weitem einen Gruß zurufend; Omar, bärtig und lebhaft seine Hunde am Strand ausführend und viele andere Leute aus dem Dorf, die meinen Aufenthalt hier zu einem vollständigen Vergnügen gemacht haben.

Yusuf
Yusuf

Die Caravan steht auf dem Asphalt des Flughafens von Manda.  Wir fliegen nach Nairobi in zehn Minuten. Alles wird jetzt ein wenig langsamer sein auf Lamu aber die Verlockung ist zu groß als dass man der wiederstehen kann und der Strand wird eines Tages wieder die Sonnenanbeter begrüßen von nah und fern.

Das Beach House beim  Abflug
Das Beach House beim Abflug
Strand von Shela
Strand von Shela

Portrait Angelika Schuetz

Angelika Schuetz lebt im Dorf Shela auf der Insel Lamu und ist Verwalterin beim Shela House Management.

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Angelika Schuetz


Der Stadtschreier von Lamu

Bwana Shee, Stadtschreier von Lamu
Bwana Shee, Stadtschreier von Lamu

Ein Bericht von John Njau, übersetzt von Angelika Schuetz (Lamu). Achtung! Achtung! Der Lamu Stadtschreier, nunmehr sicher, Ihr Gehör zu haben, schreit seine Ansage hinaus. Sei es die Ankündigung einer Gemeindeversammlung, die Ankunft eines Ehrengastes oder die Kunde über die Hochzeit eines jungen Paares. Für eine kleine Gebühr wird der Stadtschreier Ihre Nachricht den Bewohnern dieses kleinen jahrhundertealten Swahili-Vorpostens, der sich in mancher Hinsicht in den letzten 700 Jahren kaum verändert hat, übermitteln.

Behördengebäude in Lamu Stadt, ein sehr typisches Stadtbild
Behördengebäude in Lamu Stadt, ein sehr typisches Stadtbild

Als ich diesen Herrn Shee Bwana Shee zum ersten Mal seiner Arbeit nachgehen sah, bzw. hörte, da stutze ich sehr: welch ein Anachronismus, falls es ihn tatsächlich gibt. Wäre ich einem bärtigen englischen Hochradfahrer mit Melone begegnet, so wäre ich nicht mehr erstaunt gewesen. Wir kennen viele Bilder aus Büchern, wir erwarten aber nicht, diesen auch tatsächlich zu begegnen. Nicht im 21. Jahrhundert, wo Wissenschaftler das menschliche Genom erforscht haben und der 3D-Drucker kurz vor der Massenproduktion steht.

Herr Shee bei der Arbeit in Lamu Stadt
Herr Shee bei der Arbeit in Lamu Stadt

Stadtschreier haben eine reiche Geschichte, untrennbar verwoben mit den Strukturen von Gemeinden auf der ganzen Welt. Während dieser heutzutage ein kaum noch benötigter Dienst ist, in manchen entlegenen Ecken des Globus lebt er weiterhin fort. Angefangen bei den Läufern von Sparta im alten Griechenland bis hin zum mittelalterlichen England, dem Fort von Lamu und dem Strand von Shela, Shee trägt die Fackel einer uralten Tradition, eines wichtigen Amtes, welches hier nicht vom Aussterben bedroht ist.

Auch in das Dorf Shela kommt der Stadtschreier, die Kinder lieben es.
Auch in das Dorf Shela kommt der Stadtschreier, die Kinder lieben es.

Aus der Notwendigkeit heraus, meistens königliche Nachrichten oder politische Informationen zu übermitteln, musste der Ausführende dieses Amtes lesen und schreiben können. Und, darüberhinaus, zusätzlich mit einer gesunden Lunge ausgestattet sein sowie einer kräftigen Stimme. Die neuzeitliche Entwicklung macht es ihm seit einiger Zeit leichter, Herr Shee bedient sich eines batteriebetriebenen Megaphones, ich kann allerdings bestätigen, dass er auch ohne dieses Gerät seine Tätigkeit ausüben kann.

Vor 54 Jahren in Lamu geboren, besuchte Shee auf Lamu die Grundschule und Sekundarschule und zeigte schon früh ein Interesse am Rundfunk. Seine Ambitionen wurden jedoch nicht erhört: jedenfalls nicht, wie er es sich vorgestellt hatte. Er arbeitete viele Jahre lang als Gefängnisbeamter, man hatte ihn im Polizeidienst abgelehnt, da er das entsprechende Gardemaß nicht erreichte. Shee bekam nun endlich seine Chance bei den Medien im Jahre 2005. Die nationale Volkszählung war in vollem Gang, Bananen und Orangen, Symbole der rivalisierenden Parteien damals, trugen Früchte, wurden zu Zeichen des Umbruches und sind bis heute in unserer Geschichte von starker Bedeutung.

Er trug die Nachrichten hinaus, für beide politischen Seiten, und er wurde als Stadtschreier etabliert. Über die Jahre haben verschiedene Organisationen und Institutionen, aber auch die Behörden vor Ort, seine Fachkenntnis genutzt. Darauf ist er mit Recht stolz – auf die Rolle, die er spielt: Als Sprachrohr für das Gesundheitsamt zum Beispiel, um die einheimische Bevölkerung über die Gefahren und die Prävention der vermeidbaren Malaria zu unterrichten.

„Achtung! Achtung! Noch reduzierte Restplätze frei.“ Herrn Shees Kunde heute ist eine einheimische Fluggesellschaft.

In der enggestrickten Lamu Gesellschaft ist Shee eine bekannte Figur mit seinem Bart und seinem weißen Megaphon, und wenn man hört „Achtung! Achtung!“  dann steht man still und hört hin.

In Beantwortung meiner Frage, die Zukunft seines Amtes betreffend, informiert mich Herr Shee, dass er sich sicher ist, dass sein Amt  unentbehrlich ist in einer Gemeinde wie Lamu, egal wie die Technologie fortschreitet. Es ist eine unschöne Tatsache, dass Lamu im Landesschnitt an der unteren Grenze der Alphabetisierung angesiedelt ist und da bietet es sich an, gewisse Informationen auf diesem Wege zu übermitteln.

Ich frage ihn, welches der ungewöhnlichste Auftrag bislang in seiner Karriere gewesen ist und er lacht und erzählt mir, wie ein Politiker ihn anheuern wollte, dessen Rivalen zu besudeln. So etwas hat er stets abgelehnt. Einmal hat er sich eine Tracht Prügel verdient mit einer übermittelten Nachricht, einen Grundstücksdisput betreffend.

Im mittelalterlichen Europa war die Beleidigung des Stadtschreiers ein schweres Vergehen. Daher, denn die Nachrichten wurden im Auftrag des Königs übermittelt, genoss der Stadtschreier den Schutz des königlichen Hofes. Leider, gibt es für Shee in der heutigen Zeit eine solche Souveränität nicht mehr und er ist sich selbst überlassen, sollten bestimmte Elemente seine Nachricht als unangenehm empfinden.

Zuschauer beim Lamu Kulturfestival
Zuschauer beim Lamu Kulturfestival

Seine ausgebuchteste Zeit ist während des Lamu Kulturfestivals. Da kommt so ein Leuchten in seine Augen in Erwartung dieser, für ihn sehr bewegten Zeit.

Hier geht es zum Strand von Shela. Hier etwa endet das Arbeitsgebiet von Herrn Shee.
Hier geht es zum Strand von Shela. Hier etwa endet das Arbeitsgebiet von Herrn Shee.

Portrait Angelika Schuetz

Angelika Schuetz lebt im Dorf Shela auf der Insel Lamu und ist Verwalterin beim Shela House Management.

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Angelika Schuetz


Reise entlang der Küste von Lamu bis in den Süden

Ein Beitrag von Arnold Starosczyk (Lamu). In meinem letzten Beitrag habe ich schon die Inselgruppe Lamu vorgestellt. Jetzt möchte ich die Reise entlang der Küste von Lamu bis in den Südteil der kenianischen Küste vorstellen. Da ich selbst (auch in Kenia) sehr viel reise (wenn ich die Möglichkeit habe), kann ich unseren Gästen natürlich auch viele Infos und Ratschläge für andere Gegenden Kenias geben. Vor ein paar Tagen habe ich selbst wieder einen Kurztrip nach Mtwapa und Malindi gemacht.

Von Lamu nach Malindi gibt es täglich (außer dienstags) Flüge. In Malindi kann man die Vasco da Gama Säule besichtigen (zur Erinnerung an Vasco da Gama, der 1498 das erste Mal hier war).

Vasco da Gama- Säule

Allerdings wurde diese Säule erst viel später errichtet. Nichtsdestotrotz, ist auch der Blick über die Bucht zu den Sanddünen nördlich von Malindi beeindruckend. Etwas südlich schließt sich der Malindi Marine Park an. Einen sehr lohnenden Halbtagesausflug kann man nach Marafa (Hells Kitchen) machen. Es handelt sich um sehenswerte Erd- und Felsformationen.

Hell's Kitchen Malindi

Wenn man mit dem Leih-Auto oder Taxi unterwegs ist, kann man es so einplanen, dass man zum Sonnenuntergang dort ist, was wunderschön sein soll (ich war leider nur tagsüber dort). Etwas außerhalb von Malindi, auf dem Weg nach Marafa, kann man sogar Flusspferde und Flamingos im Sabaki River sehen (was viele Leute nicht wissen!).

Flusspferde am Sabaki River

Weiter Richtung Süden kommt man zuerst nach Gede. Dort gibt es interessante Ruinen zu besichtigen. Ein paar Kilometer weiter Richtung Küste kommt man dann nach Watamu. Im letzten Beitrag über Lamu habe ich ja schon geschrieben, dass der Shela Beach auf Lamu für mich einer der schönsten Strände Kenias ist. Nun, Watamu und Diani Beach (dazu später mehr) sind meine weiteren Favoriten. Mir gefällt die Watamu Bay am besten.

Watamu Bay

Was man dort unbedingt machen sollte, ist, mit einheimischen Bootsleuten zum “Lovers Island” zu fahren (man kann sich dorthin auch ein Mittagessen bringen lassen).

Lovers Island

Es ist einer der vorgelagerten Felsen in der Bucht mit glasklarem Wasser und ohne Seegras. Die verschiedenen Buchten in Watamu haben alle Seegras. Trotzdem, man kann wunderschöne Spaziergänge entlang den Stränden machen. Am Ende des letzten Strandes erreicht man dann den Mida Creek. Das ist ein Vogelparadies. Man kann Bootstouren machen und auf der anderen Seite gibt es einen Boardwalk.

Der nächste Stop ist dann Kilifi. Hier kann man mit einer Dhow (traditionellem Segelboot) Sonnenuntergangsfahrten im Creek machen. Etwas weiter südlich gibt es in Kuruwitu einen idyllisch gelegenen Strand, den nur wenige Leute kennen. Abenteuerlustige können mit einem Motorradtaxi nach Takaungu und zu den Vuma Cliffs.

Weiter geht’s nach Mtwapa. Dort habe ich letzte Woche einen tollen Bootsausflug im Mtwapa Creek gemacht.

Mtwapa Creek

Direkt am Mtwapa Creek ist das Moorings Restaurant, das stolz wirbt “The only Floating Restaurant in Kenya”. Nun gut, in Lamu haben wir auch ein Floating Restaurant. Moorings hat dennoch einen guten Namen, ist schön im Creek gelegen und Hauptgerichte starten ab etwa 11 Euro (ich hab’s mir schon mal für das nächste Mal in Mtwapa vorgemerkt!). Ansonsten kann man noch einen Besuch bei den Jumba Ruins mit einem Mittagessen bei Monsoon’s verbinden. Das ist ein bekanntes Restaurant direkt neben den Ruinen. Aber Achtung, das Restaurant hat nur Mittags offen.

Auf der Südseite des Creeks schließen sich dann die Strände von Shanzu, Bamburi und Nyali an. Hier gibt es viele Möglichkeiten, abends wegzugehen. In Shanzu gibt es noch das Ngomongo Village. Hier werden einige der 42 Stämme Kenias vorgestellt. Dazu kann ich aber keine aktuellen Infos geben, weil es bei mir schon 7 oder 8 Jahre her ist, als ich dort war. Wenn man seinen Urlaub in dieser Gegend verbringt, sollte man unbedingt zum Abendessen ins Tamarind Restaurant in Nyali gehen.

Tamarind Dhow

Es ist ein renommiertes Restaurant direkt am Creek von Mombasa. Man hat eine wunderschöne Abendstimmung dort. Und in der Hochsaison kann man auch eine Bootstour buchen (mit Mittag- oder Abendessen).

Mombasa: es ist eine große und geschäftige Stadt, hat aber trotzdem ein paar nette, sehenswerte Ecken. Natürlich sollte man die Altstadt besichtigen, allerdings NUR mit einem lizensierten Führer. Diese findet man beim Fort Jesus. Das Fort selbst bietet schöne Blicke auf den Creek und hat einige Ausstellungsräume. Was auch noch lohnend ist: man kann zum Tudor Creek (Tudor Water Sports Marina) fahren und dort im Hotelrestaurant direkt am Creek essen. Ach ja, fast hätte ich es noch vergessen, die bekannten Elefantenstoßzähne aus Metall über der Moi Avenue muss man auch gesehen haben.

Weiter geht’s dann zum Diani Beach. Noch muss man (meist) die Fähre benutzen, wo Staus und Gedränge an der Tagesordnung ist (auf Taschendiebe aufpassen!). Allerdings ist jetzt mit dem Bau einer Umgehungsstraße begonnen worden. Ansonsten, von Nairobi kann man auch direkt mit Jambojet, Air Kenya und Fly540 nach Ukunda/Südküste fliegen. Diani Beach hat einen wunderbar feinsandigen Strand und mir gefallen die grün-türkisen Farben des  Wasser sehr gut.

Diani Beach

Einer meiner Lieblingsorte am Diani Beach ist die Kongo Mosque, direkt am Kongo River gelegen. Man kann dort mit einheimischen Bootsleuten den Kongo River etwas hochfahren. Wer am Diani Beach übernachtet sollte unbedingt einmal ins Ali Barbour Cave Restaurant gehen. Es ist ein traumhaftes Höhlenrestaurant. Die südliche Verlängerung des Diani Beach ist der Galu Beach. Noch ein paar Kilometer weiter befindet sich Chale Island. Für Urlauber, die ein paar Tage relaxen wollen, ist das Sands at Chale Island Hotel eine sehr gute Option.

Chale Island

Von Diani Beach kann man auch einen schönen Ausflug ins Hinterland zu den Shimba Hills machen. Ich war vor ein paar Jahren dort, allerdings haben wir da nur sehr wenige Tiere gesehen, aber allein die Landschaft lohnt die Anfahrt. Man kann auch zu den Sheldrick Falls, einem versteckt gelegenen Wasserfall, runtersteigen. Mittagessen gibt es dann meist in der Shimba Hills Lodge, ein originelles Baumhotel.

Shimba Hills Lodge

Dann gibt es noch das Mwaluganje Elephant Sanctuary, aber da, glaube ich, muss man übernachten.

Zurück zur Küste, Wasini Island (kurze Bootsüberfahrt von Shimoni) ist auch noch ein schöner Ort zum Relaxen. Es ist eine kleine Insel mit muslimischer Bevölkerung, die einen sehr sehenswerten Korallengarten hat.

Korallengärten auf Wasini

Das Beste aber sind Bootsausflüge zum Schnorcheln in den Kisite Marine Park.

Kisite Marine Park


Arnold Starosczyk (Jambo House) Jambo Logo

Arnold Starosczyk ist Eigentümer und Betreiber des Jambo House, eines Gästehauses auf der Insel Lamu. Alle hier veröffentlichten Fotos (c) Arnold Starosczyk / Jambo House.


Mein Leben auf Lamu

Ein Beitrag von Arnold Starosczyk (Lamu). Heute möchte ich die Inselgruppe LAMU vorstellen. Ich selbst lebe seit 7 Jahren dort, betreibe mit JamboHouse Lamu ein kleines Guesthouse in Lamu Stadt. Für mich ist die Insel Lamu immer noch eines des faszinierendsten Reiseziele: wir haben hier eine einzigartige Kultur (Lamu ist der älteste besiedelte Ort der gesamten Ostafrikanischen Küste), es gibt traumhafte Strände, frisches und günstiges Seafood, die frisch gepressten Fruchtsäfte sind bekannt und die Leute sind sehr freundlich. Die Bevölkerung ist zu etwa 80 % muslimisch.

Der Flugplatz von Lamu befindet sich auf der Nachbarinsel Manda. Von Nairobi und Malindi gibt es täglich Flugverbindungen nach Lamu. Schon der Anflug auf Lamu bietet erste wunderschöne Blicke.

Lamu aus der Luft

Auf der 10-minütigen Bootsfahrt nach Lamu Stadt hat man schon die ganze Seafront im Blick.

Lamu Seafront

Die Altstadt von Lamu ist seit dem Jahre 2001 UNESCO Weltkulturerbe.

Altstadt von Lamu

Der ganze Transport wird hier mit Eseln oder Handkarren abgewickelt. Da die Gassen von Lamu sehr eng sind (unsere “Hauptstraße” ist an einigen Stellen nur etwa 2 m breit!), gibt es hier auch nur etwa 5 Autos und einige Motorräder. Welche Bedeutung die Esel auf Lamu haben, zeigt u. a. dass es hier ein Esels-Krankenhaus gibt und einmal im Jahr findet ein Schönheitswettbewerb für Esel statt.

Schönheitswettbewerb für Esel

In Lamu Stadt gibt es insgesamt 4 Museen, wobei das Lamu Museum wirklich sehenswert ist.

Lamu Museum

Das Fort (17. Jahrhundert) auf dem Stadtplatz hat eine sehr schöne Architektur. Ansonsten gibt es hier noch das German Post Office Museum und das Swahili House Museum.  Der Stadtplatz vor dem Fort ist der ”Treffpunkt”: es ist interessant Leute und Esel (die frei herumlaufen) zu beobachten. Was viele Touristen leider verpassen, ist eine Wanderung ins Hinterland von Lamu. Wir, vom JamboHouse Lamu, bieten insgesamt drei Wanderungen zwischen 2 und 6 Stunden für unsere Gäste an.

Sonnenuntergang

Im Hinterland selbst wird etwas Landwirtschaft betrieben (Palmen, Mangos, Cashew Nuts) und man sieht Sanddünen. Wer fit ist kann nach Matondoni gehen. Dieser Ort ist bekannt für die Herstellung von Dhows  (traditionellen Boote) und Körben und Matten, die aus Palmenblättern geflochten werden.

Die Insel Lamu wäre aber nicht komplett ohne den wunderschönen Shela Beach.  Für mich ist das einer der schönsten Strände Kenias. Shela Beach ist ein 13 Km langer Strand mit Sanddünen, der NIE überlaufen ist.

Shela Beach

Wenn man etwas die Sanddünen hochsteigt, hat man einen wunderschönen Blick zum Shela Beach und auf die gegenüberliegende Insel Manda. Der Ort Shela selbst ist kleiner, moderner und mit vielen schönen restaurierten Häusern, die meist Ausländern gehören.

Gegenüber der Insel Lamu befindet sich die Insel Manda. Dort gibt es einen wunderschönen Strand von wo aus man einen herrlichen Blick zu den Sanddünen vom Shela Beach hat.

Shela Beach

Am Manda Beach befinden sich ein paar Luxushotels und private Villen. Auf der Insel Manda befinden sich auch die sehenswerten Takwa Ruins. Alleine die Anfahrt mit einer Dhow durch Mangroven-Kanäle ist beindruckend. Es sind Ruinen aus dem 16. Jahrhundert mit alten Baobab Bäumen. Wenn man mit dem Führer zu dem Aussichtspunkt oberhalb der Ruinen geht, hat man einen sehr schönen Blick zum Takwa Beach und zum offenen Meer.

Etwas nördlich von der Insel Manda befindet sich die kleine Insel Manda Toto:  das ist ein wunderschöner Tagesausflug zum Schnorcheln (von Mitte September bis etwa Mitte April).

Manda Toto
Nördlich schließt sich die Insel Pate an. Diese Insel ist touristisch wenig erschlossen. Es gibt zwar tägliche Fährverbindungen mit einheimischen Booten, aber Übernachtungen sind nur in sehr einfachen Pensionen möglich. Der Hauptort ist Pate mit schönen alten Häusern.  Um den Ort herum gibt es ein paar Ruinen und Bananen- und Tabakplantagen. Der Ort Siyu in der Nähe hat ein sehr schönes, allerdings baufälliges, Fort und ein paar Ruinen zu bieten.

Siyu

Der Ort Faza ist ringsherum von Wasser umschlossen.  Von dort kommt man in etwa einer Stunde zu Fuß (oder mit einem Motorrad-Taxi) nach Kizingitini. Die Seafront von diesem Ort schaut richtig exotisch aus mit Palmen, Häusern mit Makuti-Dach der Moschee und  den Dhows die hier ankern. Kizingitini ist ebenso bekannt für Lobsterfischerei.

Kizingitini

Gegenüber befindet sich die Insel Kiwayu. Ich habe bis jetzt leider nur einen Tagesausflueg mit Gästen dorthin unternommen. Es gibt hier wunderschöne Strände, gutes Schnorcheln und sehr schön Sonnenauf- und Untergänge.

Kiwayu

Auf der Insel Lamu gibt es jedes Jahr mehrere Festivals. Zwischen dem 25. und dem 30. November findet das diesjähriges Lamu Culture Festival bereits zum 15. Mal statt. Dort werden Bootsregatten, Eselsrennen, traditionelle Tänze und vieles mehr ausgetragen. Ende Dezember wird dann das Maulidi Festival stattfinden. Dabei wird der Geburtstag des Propheten Mohammed gefeiert. Die Veranstaltungen sind ähnlich, allerdings werden dann noch einige islamische Wettbewerbe im Programm sein und eine große Prozession zur Riyadha Moschee. Am 6. Februar 2016 wird dann in Shela das Hutfestival ausgetragen. Dabei werden die originellsten Hüte prämiert. Und Mitte März 2016 findet wieder das Lamu Yoga Festival statt, das in den bisherigen beiden Jahren einen großen Zuspruch fand.

In ein paar Tagen beginnt für unsere muslimischen Freunde der Heilige Fastenmonat Ramadhan. Es ist immer eine spezielle Atmosphäre. Man sieht Muslime vor ihren Geschäften sitzen, die den Koran lesen. Der Obst- und Gemüsemarkt platzt dann aus allen Nähten und breitet sich bis zum Stadtplatz (Mkunguni) vor dem Fort aus.

Lamu

Am Nachmittag werden in den Straßen kleine Leckereien (Samosas, Kebabs, Bajias, Kokosnuß-Brot,…) verkauft, was die Muslime zum “Fastenbrechen” essen. Touristen (oder Nicht-Muslime) müssen nicht fasten – es gibt ein paar wenige Restaurants, die während dem Ramadhan tagsüber geöffnet haben. Außerdem gibt es auch einen Pizza-Service auf Lamu.


Arnold Starosczyk (Jambo House) Jambo Logo

Arnold Starosczyk ist Eigentümer und Betreiber des Jambo House, eines Gästehauses auf der Insel Lamu. Alle hier veröffentlichten Fotos (c) Arnold Starosczyk / Jambo House.