Es war einmal auf einer kenianischen Insel…

Ein Bericht von Amina Sabel (Wasini / Südküste). Ich wachte bei früher Tagesdämmerung auf; das Geräusch von brechendem Geäst muss mich aus meinen Träumen geholt haben. Ich hob meinen Kopf nur leicht vom Kissen und spähte mit schläfrigen Augen durch das niedrige, nur mit Netz bespannte Fenster hinaus und da, in einem Abstand von nur wenigen Metern sehe ich einen Ducker, eine scheue Antilope, welche die kleinen Dikdiks nur um weniges an Höhe übertrifft, wie sie friedlich nach mir schaut. Wir beäugen uns noch ein paar Minuten… solche absolut lieblichen schwarzen Augen… solch ein edles Gesicht… und dann ließ ich mein müdes Haupt wieder aufs Kissen sinken, um noch ein wenig weiterzuschlummern.

Ducker

Nach einem herzhaften Frühstück mit frischgebrühtem kenianischen Kaffee, Eiern von freilaufenden Hühner, traditionellem Swahili-Gebäck und einer Auswahl an Früchten machten wir uns fertig, um zwischen den Korallen direkt vor dem Bootsanlegesteg zu schnorcheln. An diesem Morgen war Ebbe – ideal für diejenigen, die nicht so tief tauchen wollen. Es gibt sandigen Meeresboden, Stellen mit Seegras, und große Flächen von steinigem Untergrund – alle mit ihren spezifischen Bewohnern. Nirgends zuvor hatte ich so riesige, blaue Seesterne gesehen, die beim ersten Anblick wie alte Gummireste aussehen… aber ich persönlich mag doch die Walzenseesterne mit ihren roten Dornen mehr.

Seestern

Und dann die Korallen mit ihren farbenfrohen Fischbewohnern; einige Einzelgänger, die mich sehr interessiert anschauen, andere wiederum in dichten Schwärmen, die total beschäftigt scheinen und mich glattweg ignorieren…. ich werde wohl nie überdrüssig, dieses Naturschauspiel zu bewundern… und essbare Muscheln und Austern haben wir dabei auch entdeckt – frisch vom Meeresboden direkt auf den Tisch!

Muscheln

Dann ist es Zeit, ein bisschen auf der Sonnenliege auszuruhen. Es gibt doch nur wenige Dinge, die besser sind, als unter Palmen zu faulenzen und dabei frisches Kokosnusswasser zu trinken. Heute keine besonderen Vorkommnisse am Klippenstrand, nur zwei Diademmeerkatzen, die sich gegenseitig durch die hohen Äste über unseren Köpfen jagen während sie sich gegenseitig beschimpfen. Dann wieder friedliche Stille: ein Rackenvogel ruht auf der Klippe, um einen guten Blick auf die darunter schwimmenden Fische zu haben, ein Ausleger-Kanu segelt vorbei… in einiger Entfernung sind einige Fischer mit ihren Netzen beschäftigt… idyllisch, und die Worte „nicht von dieser Welt“ kommen mir in den Sinn!

Fischer

Aber die Zeit geht auch hier voran und es wird schon Zeit für ein leichtes Mittagessen. Die “Vibungala”, eine kleine Bananenart mit einem apfelähnlichen Geschmack, ist heute meine Lieblingszutat. Und dann ist auch schon Zeit, mich auf meine Swahili Beauty Session vorzubereiten: die Hennaspezialistin wird meine Haut als Leinwand verwenden und meine Arme und Beine kunstvoll mit orientalischen Motiven bemalen. Es ist in der Tat anstrengend, für gut eine Stunde seine Glieder in einer Position zu halten, so dass sie mit nichts in Berührung kommen, bis das Henna vollständig ausgetrocknet ist; eine Stunde, die durch Tratschen über Dinge von Kinder- bis zu Dorfangelegenheiten, aber doch wie im Fluge, vorbeigeht.

Henna

Und dann der krönende Abschluss: nachdem die trockene Hennapaste erst abgeschabt und dann abgewaschen wurde: die Wasini Spa-Behandlung mit frischem Saft der Aloe Vera! Dies hat nicht nur eine sehr beruhigende und pflegende Wirkung auf die Haut, sondern sorgt auch dafür, dass die Hennabemalung länger anhält. Und nach dem ganzen Prozedere fühle ich mich wie die Königin von Shaba selbst!

Aloe Vera

Für einen kleinen Bootsausflug langt die Zeit auch noch. Das kleine arabische Segelboot “Blue Whale” ist abfahrbereit am Bootssteg. Es ist jetzt Flut und wo heute Morgen trockener Meeresboden war, sind jetzt ca. 2 Meter tief Wasser! Der Wind kommt günstig vom Süden und wir können daher direkt nach Westen der untergehenden Sonne entgegen segeln, und danach zurück ohne auch nur ein einziges Mal den Außenbordmotor starten zu müssen. Eine tolle Atmosphäre: wir hören nur den Wind über die Segel streichen und das Geräusch des Wassers, wenn das Boot die Wellen auf und abfährt.

Blue Whale

Wir sehen Seeschwalben beim Fischfang – wahrscheinlich Sardinen – aber ansonsten bestaunen wir einfach die vorbeiziehenden Mangroven, die im orangenen Schein des zur Neige gehenden Tages getaucht sind, sehen Reiher in ihrem Geäst und ein Paar Schreiseeadler, die hoch über uns kreisen, bis die Sonne am Horizont in einer Wolkenschicht über den tansanischen Bergen versinkt.

Indischer Ozean

Zurück an Land und nach einer guten Dusche erwartet uns noch eine Überraschung: der alte Fischer, der die dicken, saftigen Mangrovenkrebse fängt, hat etwas von seinem heutigen Fang vorbeigebracht. Das Abendessen mit frischen Krebsen und den am Morgen gesammelten Muscheln und Austern – ein köstlicher Meeresfrüchte-Schmaus zum Abschluss eines perfekten Inseltages. Frühes Zubettgehen scheint genau richtig, denn morgen früh steht eine 5-km-Wanderung zum östlichen Ende der Insel auf dem Plan; eine Tour, die uns bei Ebbe entlang der nördlichen Küste und Affenbrotbaumwäldern führen wird, dann ein Besuch des abgelegenen Fischerortes “Mkwiro”, bevor wir wieder westwärts entlang der Südküste der Insel mit seinen Mangrovenwäldern und Kokosnussplantagen zu den Blue Monkey Beach Cottages zurückkehren werden.
Kokosplantage
Den morgigen Nachmittag haben wir uns freigehalten… evtl. Für Standup-Paddling? Ach nein, wir haben ja versprochen, bei der zweimonatlich stattfinden Strandreinigung des Wasini Youth Nature Club mitzuhelfen. Na ja, danach wird uns ein Abendschwimmgang doppelt gut tun!
Mangroven
Ein weiterer Tag liegt hinter uns auf dieser Insel, wo Solaranlagen die Hauptenergiequellen sind, ein Ort, an dem keine Klimaanlagen vor sich hinbrummen, ein Ort wo man noch pure Natur erleben kann und einen Blick in die Vergangenheit erhält, wie die Inselbewohner hier vor einem Jahrzehnt, oder vielleicht sogar einem Jahrhundert gelebt haben. Nur damals gab es natürlich noch keine Mobiltelefone und keine Digitalkameras, um die beeindruckenden Ansichten festzuhalten und per Internet mit dem Rest der Welt zu teilen…naja, zum Glück hat sich das hier geändert – und der Rest ist geblieben, wie er war!


Amina Sabel

Amina Sabel, hier mit ihrem Mann Feisal abgebildet, ist Miteigentümerin des Wasini Travel Guide, der Blue Monkey Beach Cottages und Banda Mlimani. Sie ist Gründungsmitglied der Wasini Boat Operators und des Wasini Youth Nature Clubs.