„Meine bewegende und unvergessliche Zeit in Kenia“

Ein Beitrag von Sophie Lauber, Fulda. Von Ende Oktober bis Mitte November hatte ich die Chance, an einer Reise der ganz besonderen Art teilzunehmen. Der gemeinnützige und in Fulda ansässige Verein „Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen“ (LebKom) gibt seit vielen Jahren regelmäßig durch das Mit-Reiseprojekt „As Friends to Kenya“ interessierten MitbürgerInnen die Möglichkeit, in den Westen Kenias mitzufahren. Frauen der Luo Ethnie, in einer Frauengruppe organisierte, sehr engagierte kenianische Frauen, pflegen seit langem eine intensive freundschaftliche Beziehung zu dem Fuldaer Verein und laden immer wieder aufgeschlossene Reisefreudige ein, ihren Lebensalltages vor Ort mit ihnen zu teilen, um so ihr Leben, ihre Kultur hautnah kennenzulernen. Dies ist ein ganz besonderes Angebot, Verstehen zwischen kenianischen und deutschen Menschen zu fördern. Während unseres Aufenthalts wohnen wir also direkt in einer großen kenianischen Familie, die ihre Häuser eigens für uns liebevoll als Gästeunterkünfte herrichtet. Der Empfang bei unseren kenianischen Gastgeberinnen ist unvergesslich: Als wir in das Grundstück einfahren, erwarten uns bereits zahlreiche Frauen und Kinder, die freudestrahlend auf unseren Bus zulaufen. Unser Aussteigen ist begleitet von ausgelassenem, fröhlichem Tanzen und Singen der Kenianerinnen. Alle freuen sich sichtlich über unsere Ankunft und stecken uns mit ihrer Begeisterung unmittelbar an. Die außergewöhnliche Herzlichkeit unseres Willkommenheißens hat uns alle sehr bewegt.

As Friends to Kenya - Besuch des Fulda-Mosocho-ProjektesMein Leben in einer kenianischen Luo-Familie
Unsere Tage waren vor allem geprägt davon, unsere Gastgeberinnen – und ihre Familien – kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen und möglichst viel über ihre Leben zu erfahren. Da sie der Volksgruppe der Luo angehören, hatten wir die Gelegenheit, die kulturellen Gepflogenheiten einer der größten Ethnien Kenias im direkten Austausch intensiv kennenzulernen. Vieles haben wir einfach durch das gemeinsame Erleben im Alltag erfahren: Wir haben zusammen gekocht und dabei von den Frauen gelernt, kenianische Rezepte zuzubereiten, bei der Bearbeitung von Sisal mitgemacht, auf den Feldern unserer Gastgeberinnen mitgearbeitet und dabei viele Pflanzen des kenianischen Hochlands und ihre heilsamen Wirkungen kennengelernt, gemeinsam Wasser aus der nächst gelegenen Wasserstelle geholt und allabendlich zusammen gesessen und uns über unsere gemeinsamen Erfahrungen ausgetauscht. Aus diesen persönlichen und vertrauten Gesprächen sind sehr besondere Freundschaften hervorgegangen, die den Aufenthalt überdauern werden – nicht nur bei mir. Besonders beeindruckt waren wir von der Lebenshaltung unserer Gastgeberinnen und davon, mit welcher Energie, Gelassenheit und Würde sie ihren Lebensalltag bestreiten. Dieser ist geprägt von körperlich harter Arbeit, die die Frauen meist ohne Hilfe ihrer Männer bewältigen.  Nancy, die uns besonders nahe stand, arbeitet jeden Tag ab Sonnenaufgang neben ihren anderen vielfältigen familiären Aufgaben drei Stunden lang auf ihrem Maisfeld. Auf unsere Nachfrage hin, ob diese Tätigkeit denn nicht sehr hart sei, meinte sie „Natürlich ist die Arbeit schwer, aber ohne sie gibt es eben auch keinen Mais zu essen.“

Mitten drin in der kenianischen Familie, statt nur dabeiUnglaubliche Nähe zur Natur
Ganz besonders war für mich die unglaubliche Nähe zur Natur während unseres ganzen Aufenthaltes. Morgens sind wir mit dem Sonnenaufgang aufgestanden, wir haben uns unter der kenianischen Sonne draußen gewaschen, sind täglich längere Fußwege durch die prächtigen Landschaften des kenianisches Hochlands gelaufen und haben gegessen, was auf den Feldern der Frauen wächst. Der direkte Kontakt zu der uns immer umgebenden Natur hat mir ganz neue Kraft und Energie gegeben und mich innerlich sehr ausgeglichen und erfüllt. Die Frauen müssen für ihre Familie alles benötigte Wasser aus einer nahe gelegenen Wasserstelle holen, fließendes Wasser aus der Leitung gibt es nicht. Dabei habe ich – auch beim Besorgen des Wassers für uns – gern mitgemacht. Dadurch haben wir einen ganz neuen Bezug zu Wasser und zum eigenen Wasserverbrauch bekommen und erfahren, mit wie wenig Wasser man eigentlich beim Wäsche waschen, duschen oder dem Toilettengang auskommt. Angeregt durch die Lebensweise unserer Gastgeberinnen habe ich vor allem darüber nachgedacht, wieviel Wasser wir in Deutschland im Alltag unachtsam verschwenden, und es richtig zu schätzen gelernt, dass es bei uns ohne größere Anstrengungen einfach aus dem Wasserhahn fließt – was für ein Luxus!

As Friends to Kenya - Kenianisches Lehmhome-Vielfältiges Programm
Während unserer Zeit im kenianischen Hochland haben wir aber nicht nur das Leben unserer Gastgeberinnen kennengelernt, wir haben auch zahlreiche Ausflüge unternommen, bei denen wir viele bereichernde Eindrücke in verschiedene Bereiche erhalten haben. Besonders eindrucksvoll war für uns der Besuch der Gesundheitsstation unserer Gastgeberinnen, deren Bau von den Mitgliedern der Frauengruppe auf eigene Initiative und durch das Mit-Reiseprojekt von LebKom e.V. ermöglicht worden ist. Bevor es die Gesundheitsstation gab, mussten die Menschen in der Umgebung bis in die nächstgelegene Stadt laufen, um eine medizinische Behandlung zu bekommen. Vor allem für Kranke oder schwangere Patientinnen war der Weg unheimlich beschwerlich. Und er hat nicht selten verhindert, bei Zeiten ärztliche Hilfe zu erhalten. Für die Menschen in der Gegend ist die Gesundheitsstation daher ein großer Segen, vor allem da diese auch auf die HIV-Therapie, Familienplanung und Schwangerschaftsberatung dank LebKom spezialisiert ist. Die Besichtigung der Gesundheitsstation hat uns sehr eindrücklich gezeigt, was für positive und wichtige Veränderungen durch den Einsatz engagierter Frauen, auf kenianischer und deutscher Seite, erreicht werden können. Bei Besuchen eines Kindergartens und einer Schule haben wir viel über die Bildung in Kenia erfahren und uns mit den kenianischen Lehrerinnen und Lehrern über unsere verschiedenen Schulsysteme ausgetauscht. An anderen Tagen haben wir die Städte Kisii, Oyugis und Kisumu besucht und dort das geschäftige Treiben auf den Märkten miterlebt und uns vor der grandiosen Vielfalt an bunten Stoffen, verschiedenen Lebensmitteln, wie frischen Ananas und Papaya, und lokalen Waren begeistern lassen

As Friends to Kenya - afrikanischen Alltag teilen - gemeinsam kochen 2Verbindende Gemeinsamkeiten
Ein Wandel in der Betrachtungsweise innerhalb unserer Mit/Reise/Gruppe ist mir besonders aufgefallen:  Zu Beginn waren wir vor allem darauf bedacht, möglichst viel über die kenianische Gesellschaft, kulturelle Besonderheiten der Luos und darauf basierende Unterschiede zu unseren Lebensweisen in Deutschland auszumachen. Bei vielfältigen Ausflügen, im Austausch mit unterschiedlichen sozial engagierten Kenianerinnen und Kenianern und in sehr persönlichen Gesprächen mit unseren Gastgeberinnen haben wir sehr viel darüber erfahren. Je länger wir allerdings vor Ort waren, je besser wir unsere kenianischen Freundinnen und ihre Familien kennenlernten und je tiefer wir Einblick in ihre Wünsche und Lebensanschauungen erhalten durften, desto mehr verbindende Gemeinsamkeiten stellten wir fest. Auch wenn unsere Leben weit entfernt voneinander stattfinden und unsere kulturellen Gepflogenheiten sehr verschieden sind, so einen uns viele ähnliche Vorstellungen. Eine der Frauen meinte einmal zu mir „Wichtig ist mir vor allem, dass ich ein selbstbestimmtes Leben führen kann, ein schönes Zuhause habe und meinen Kindern eine gute Schulbildung ermöglichen kann.“  Als wir über ihre Aussage nachdachten, bemerkten wir, dass wir sehr ähnliche Wünsche haben. Diese Erkenntnis hat bei uns allen zu einem großen Gefühl der  gemeinschaftlichen Verbundenheit geführt.

As Friends to Kenya - Gemeinsame Erlebnisse verbindenDer sehr bewegende Abschied
Viel zu schnell verging die Zeit und ehe ich mich versah, stand auch schon der Abschied bevor. Auch dieser war sehr bewegend: Obwohl wir alle sehr traurig waren, unsere neu gewonnenen Freundinnen zu verlassen, haben eben diese uns dazu motiviert, noch einmal gemeinsam zu feiern und der Freude über die gemeinsamen Tage Raum zu geben. Also haben wir ein letztes Mal zusammen ausgelassen gesungen und getanzt und waren dankbar für die unheimlich tolle Zeit, die wir miteinander verbringen durften.

Unvergessliche Wochen
Die Wochen bei den Luo Frauen sind für mich unvergesslich. Ich habe mich so willkommen und angenommen in der Familie gefühlt, hatte so vielfältige und besondere Erlebnisse und habe viel, viel Neues gelernt.  Daher kann ich das Mit-Reiseprojekt „As Friends to Kenya“ allen wärmstens empfehlen, die Lust darauf haben, ein Land nicht nur auf ausgetretenen touristischen Pfaden zu erleben, sondern die sich wünschen, tiefer gehende Einblicke in die Leben der Menschen dort vor Ort zu erhalten und dies vor allen Dingen durch direkten Austausch mit ihnen. Ich bin nun zwar wieder in Fulda – ein Stück meines Herzens bleibt aber bei den großartigen kenianischen Frauen, unseren Gastgeberinnen der Luo Ethnie.


Sophie Lauberlebkom

Sophie Lauber ist eine Studentin aus Fulda und hat mit dem Mit-Reiseprojekt „As Friends to Kenya“ das ländliche Kenia abseits der Touristenpfade kennengelernt.


 

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