Das Leben auf Funzi Island

Ein Bericht von Alessandro Torriani (Funzi Island/ Südküste). Die Insel Funzi ist ein Ort, wie kein anderer. Auf der Hauptinsel gibt es ein Dorf, welches von der Volksgruppe der Fundi bewohnt wird. Dort existiert eine eigene Sprache, das Kifundi. Kifundi wird nur auf Funzi und in dem gegenüber auf dem Festland liegenden Dorf Mwazaro gesprochen. Die Bewohner von Funzi folgen heute noch ihren Traditionen, wodurch alte Dorfgemeinschaften bestehenbleiben.

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Vor zwanzig Jahren kam mein Vater mit einem Flugzeug nach Funzi. Da die Dorfbewohner noch nie zuvor so ein Verkehrsmittel gesehen hatten, waren sie erschrocken, als der Motor startete. Die Zeiten haben sich geändert, doch die Traditionen gibt es immer noch.

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Meine Eltern lieben es, neue Sachen auszuprobieren. Vor ungefähr zehn Jahren ist mein Vater auf die Idee gekommen, sich eine Kuh zuzulegen. Nachdem der Zustimmung meiner Mutter, kaufte mein Vater schließlich 50 Kühe! Und so begann unsere Viehhaltung. Vor sechs Jahren haben wir angefangen, die Tiere untereinander zu kreuzen, das heißt, Aberdeen Angus und French Charlotte wurden mit unseren Kenyan Borans gekreuzt.

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Die Rinder werden biologisch gefüttert und grasen frei auf der Insel. Es gibt keine Hormone und keine Antibiotika. Gegen neun Uhr morgens wachen die Tiere auf und fangen an zu grasen, wandern bis mittags auf der Insel herum und kommen wieder, um Wasser zu trinken. Maasai-Hirten schauen nach den Rindern und kommunizieren mit ihnen auf ihre eigene Weise. Ein spezieller Pfiff bedeutet zurück zur Weide. Wir haben beobachtet, dass die männlichen Rinder nach einem verlorenen Kampf deprimiert sind und für vier Tage in den Wald gehen. Das zeigt, dass unsere Rinder emotionale Wesen sind.

Vor ungefähr sechs Jahren kam ich von der Universität zurück. Meine Eltern haben mir erzählt, dass es eine gute Idee sei, einen Hühnerhof zu starten. Frische Eier am Morgen! Somit fingen wir an, uns zu informieren, wie wir den Hühnerstall bauen sollten. Zudem gab meine Mutter mir ein altes Buch zu dem Thema und wir fingen an, unseren Hof zu erweitern. Heute haben wir 50 Lege-Vorrichtungen und manchmal sogar 100 Legehennen. Die Hennen können sich im Sand ausruhen oder einfach ihre Zeit genießen.

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The Funzi Keys, das Hotel, welches meinem Vater gehört, würde ohne diesen einzigartigen Ort und der Kultur auf Funzi Island nicht so erfolgreich sein. Das Land gibt uns die Möglichkeit, auf biologische Art und Weise Fleisch zu produzieren, was nicht nur meine Familie, sondern auch unsere Gäste bevorzugen. Die Idylle und die Menschen vor Ort bieten die perfekte Kulisse für Urlauber, um einen sehr speziellen Teil Kenias zu entdecken.

Ich glaube, es ist unsere Einstellung, offen zu sein und neue Sachen auszuprobieren, die uns den Weg hierher geführt hat. Mein Vater sagt immer „ Versuche etwas Neues – wenn du hinfällst, dann steh auf und versuche etwas anderes.“  Mit Zeit, Wissen und Durchhaltevermögen ist alles möglich!


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Der Schweizer Alessandro Torriani lebt mit seiner Familie auf der Insel Funzi an der Südküste Kenias. Sein Vater ist Gründer und Eigentümer des exklusiven Boutiquehotels The Funzi Keys auf der gleichnamigen Insel. Dieser Bericht ist eine Übersetzung aus dem Englischen. Text und Fotos (c) Alessandro Torriani.


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Ist ein Kenia Urlaub Entwicklungshilfe?

Ein Bericht von Amina Sabel (Wasini / Südküste). Kann man guten Gewissens ein Land bereisen, in dem sich einer der größten Slums des Kontinents befindet? Dient der Tourismus der Entwicklung des Landes, oder kommt das Geld nie bei den einfachen Menschen an? Auch Spiegel Online hat sich kürzlich mit diesem Thema beschäftigt. Der Journalist Gerald Traufetter zitiert hierbei aus einer wissenschaftlichen Studie, die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführt wurde und zu sehr interessanten Ergebnissen führte.

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Kenia’s informeller Beschäftigungssektor – hier eine Garküche am Strassenrand (c) Amina Sabel

Laut dieser Studie liegen in Kenia die Beträge zum Bruttoinlandsprodukt aus dem Tourisum bei 80 Millionen Euro. Allerdings sorgt z.B. in Vietnam jeder ausgegebene Euro für deutlich mehr Beschäftigung als in Kenia. Die Ökonomen konnten weiterhin nachweisen, dass sich durch die Verdoppelung der Übernachtungszahlen internationaler Touristen der Alphabetisierungsgrad um 1,1 Prozentpunkte erhöht, beim Zugang zu sauberem Wasser beträgt die Steigerung 1,9 Prozent.“

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Zugang zu sauberem Wasser – noch immer nicht überall eine Selbstverständlichkeit (c) Amina Sabel

Kurz: der durchschnittliche Kenia Reisende trägt also ganz erheblich zur Steigerung des Bruttosozialproduktes bei und schafft auch Arbeitsplätze – wenn auch weniger als dies in Vergleichsländern der Fall ist. Allerdings ist genau der Faktor Beschäftigung für den Durchschnitts-Kenianer von größter Bedeutung: hier füllt Ihr Geld viele kleine Taschen und endet nicht ausschließlich in den bereits gut gefüllten Geldsäcken der einheimischen Oberschicht oder auf Konten der reichen, ausländischen Investoren.

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Wasini Youth Nature Club: ein vom lokalen Tourismus finanziertes Umwelterziehungsprojekt (c) Amina Sabel

Welche Art des Tourismus besonders nachhaltig und entwicklungsfördernd ist, haben Ferdinand Paesler und Prof. Dr. Job von der Ludwig-Maximilinas-Universität München mit Ihrer Studie „Armutsbekämpfung durch lokale Partizipation und Community Based Tourism am Beispiel von Wasini Island und des Kisite Mpunguti Marine National Park“ erarbeitet. Die Ergebnisse der Studie weisen auf, dass bei einheimischen Betrieben fast die Hälfte der Einnahmen auf der Insel verbleiben (46%), wohingegen bei dem in ausländischem Besitz befindlichen Betrieben eine Sickerrate von 92 % besteht, wobei der größte Anteil hiervon ins Ausland fließt (70 %). Weiterhin stellten die Wissenschafler fest, dass die Angestellten des einheimischen Betriebs deutlich besser bezahlt werden als diejenigen des ausländischen Betriebes (in Höhe von nur 84 % des Gehalts des einheimischen Betriebes).

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Fischfang und Meeresschutz gehen in Wasini Hand in Hand (c) Amina Sabel

Aber wie bei allem, sollte man auch hier nicht ins Schwarz-Weiß-Malen verfallen. Es gibt in Kenia auch ohne Zweifel ausländische Betriebe, die ihre Angestellten gut bezahlen und/ oder lokale Entwicklungsprojekte fördern, aber einen nicht von der Hand zu weisenden Trend zeigen beide vorgenannten Studien sicher auf. Wer nachhaltigen Tourismus betreiben will, findet heutzutage viele nützliche Informationen im Netz. Einige Portale, wie z.B. responsibletravel.com, haben sich ganz diesem Thema verschrieben, ab auch Lodges, Resorts und Reiseanbieter, die nachhaltigen Tourismus praktizieren, stellen ihr Engagement auf ihren Webseiten vor. Für den verantwortlichen Reisenden lohnt sich das Nachschauen und Nachfragen auf alle Fälle!

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Ein Junge vor dem Stand von Mama Mboga, der Gemüsefrau: eine weitverbreitete informelle Beschäftigung für Frauen (c) Amina Sabel

Also, knapp und geradeheraus gesagt: zu welcher Art des Reisens Sie sich auch entscheiden mögen: Karibuni Kenia!


Amina Sabel

Amina Sabel, hier mit ihrem Mann Feisal abgebildet, ist Miteigentümerin des Wasini Travel Guide, der Blue Monkey Beach Cottages und Banda Mlimani. Sie ist Gründungsmitglied der Wasini Boat Operators und des Wasini Youth Nature Clubs.