Erinnerungen an Shela

Ein Bericht von John Njau, übersetzt von Angelika Schuetz (Lamu). Ich bin im Dorf Shela, am südlichen Zipfel der Insel Lamu. Ich lasse in meinem Kopf die letzten eineinhalb wunderbaren Jahre Revue passieren, in denen ich im Tourismus gearbeitet habe.

Boote am Dorfstrand von Shela
Boote am Dorfstrand von Shela

Shela ist eine jahrhundertealte Bajuni Siedlung – die Bajunis sind eine Untergruppe der Swahili – traditionell von der Fischerei und, seit geraumer Zeit auch, vorwiegend vom Tourismus lebend.

Minarett der Freitagsmoschee
Minarett der Freitagsmoschee
Gasse im Dorf Shela
Gasse im Dorf Shela

Die Bevölkerung ist eine vielfältige Mischung, die Bajunis eindeutig in der Mehrheit. An den Abenden findet man eine anschauliche Anzahl an hier angesiedelten Ausländern (mit einer gesunden Anzahl an einheimischen Gastgebern), die in der Bar und im Restaurant des Peponi Hotels herumsitzen. Heute abend flüstert ein ausgesprochen schneidiger New Yorker bei einem Glas Wein mit einer jungen Italienischen Dame. Eine Modedesignerin aus Nairobi löffelt herzhaft in einer Eiscreme. Ein Hotelmanager, auch aus Nairobi, bewegt den Kopf zum Rhythmus der Musik, die im Hintergrund in der schwülen Abendluft dahinschwebt. Ein Bankkaufmann aus Malindi erheitert mich mit Geschichten einer lustigen Brautwerbung. Nebenan erinnert sich ein pensionierter englischer Pilot an seine Zeiten als ‘Fahrer’ (so drückt er sich aus) bei Kenya Airways. Ein europäischer Sportangler, in Lamu aufgewachsen, unterhält sich fließend auf Kiswahili, mit einem schweren Bajuni-Akzent. Er könnte genauso gut Griechisch sprechen, so wenig kann ich ihn verstehen. Sein Hund, ein wenig langsam und alt, liegt geduldig zu seinen Füssen. Ein pensionierter Restaurateur mit buschigen Augenbrauen, der einst eines der feinsten Restaurants in Nairobi betrieb, spricht mit seinen Tischnachbarn über den Häusermarkt. Ich schaue mich um in dieser Mixtur von Menschen und ich denke ‘nur auf Lamu’.

Sonnenuntergang am großen Strand
Sonnenuntergang am großen Strand
Crab Plovers
Reiherläufer am Strand

Kenianische, dänische, holländische, deutsche, koreanische, englische und italienische Geschäftsfrauen und –männer haben hier in der Tourismusindustrie heftig investiert. Hotels mit Weltklassenniveau und private Ferienhäuser stehen nah beieinander neben einheimischen Etablissements und Privathäusern. Die Insel ist einzigartig in dem Sinne, dass sie fast frei ist von Fahrzeugen. Während meiner Zeit habe ich nur vier Fahrzeuge gezählt: Den Geländewagen des County Commissioners, zwei Ambulanzfahrzeuge (eine für Menschen und eine für Tiere) und den Traktor der Gemeinde, welcher die Müllabfuhr von Lamu Stadt bewerkstelligt. In diesen engen Sträßchen und Gassen wären motorisierte Straßenfahrzeuge ohnehin niemals eine Option für Lamu. Perfekt also, dieses tropische Inselchen, für alle diejenigen, die ‘von allem weg’ wollen.

Müllabfuhr in Shela
Müllabfuhr in Shela
Gasse mit Esel
Gasse mit Esel

Ungewöhnlicherweise bin ich heute zum Sonnenaufgang am Strand. Eigentlich bevorzuge ich am Ende des langen Arbeitstages am Strand entlang zu laufen. Es ist ein ziemlich normaler Tag, alles in allem, sonnig und drückend, mit der melodiösen Stimme des Muezzins, zu den festgelegten Zeiten des Gebetsrufes. Es ist ein Tag der Besinnung und ich bereite mich auf den Abschied vor, den Abschied von diesem Stück Küste. Ich habe vorher noch nie in einem Dorf gelebt.

Dünen von Shela
Dünen von Shela
Boote im Sonnenaufgang
Boote im Sonnenaufgang

Das Leben in Nairobi (wie auch in anderen Großstädten) ist tendenziell eine recht egoistische Angelegenheit: eingezäunte Grundstücke mit Einfahrtstoren sind die Norm. Es war eine ziemliche Veränderung für mich, mich in dieses Leben zu integrieren, ein Leben frei von unnötiger Einengung; keine Zäune, keine Tore, letztendlich keine Sorgen. Nie und nirgendwo habe ich mich sicherer gefühlt als in Shela. Aber meine Zeit hier läuft ab, leider, und obschon ich den Abschied fürchte, ich habe so viel, wofür ich dankbar bin. Tourismus ist natürlicherweise ein Saisongeschäft und im Augenblick ist der Rückgang in dieser Sparte ein bisschen alarmierend. Ich würde natürlich gerne bleiben aber meine Position ist zur Zeit nicht länger vertretbar.

Duka Rangaleni
Duka Rangaleni
Bunny Allen House
Bunny Allen House

In den folgenden Tagen sehe ich alles mit neuen Augen sozusagen. Ich finde große Freude an dem Gefühl von Sand unter meinen Füßen als ich barfuß am Strand laufe. Der Kanal von Lamu hat nichts an seinem Charme verloren. Die Dhows und Fischerboote dümpeln seicht am Anker, perfekt wie im Bilderbuch. Die vorgelagerte Insel Manda mit seinem Strand ist bezaubernd wie immer. Shela Beach, die gesamten 13 Kilometer, es ist eine Freude diesen Strand entlang zu wandern. Mir wird das jetzt alles sehr bewußt, wissend, dass ich in weniger als einer Woche zurückkehren werde in die Anonymität von Nairobi. Es ist ein beschaulicher Ort zum Leben und diese Beschaulichkeit wir noch verstärkt durch die fehlenden Besucherzahlen in der Gegend.

Mohamed mit Hunden am Strand
Mohamed mit Hunden am Strand
Salim mit Fisch
Salim mit Fisch

Ich sitze auf der gepolsterten Bank des Bootes mit dem Namen ‘I’ll Be Back’, meinen Koffer zu meinen Füßen. Abschiedsschmerz überkommt mich, aber es muss sein, und ich plane wiederzukommen, eines Tages. Der Motor springt an und wir gleiten hinfort von der Shela Küste. Diese ist der von Amalfi nicht unähnlich, Amalfi vor etwa 20 Jahren.

I'll Be Back
I’ll Be Back
Käpt'n Aswif
Käpt’n Aswif

Meine Gedanken wandern zu den Menschen von Shela. Ich habe mitten unter ihnen gelebt, eineinhalb Jahre lang und sie sind mir immer mit Höflichkeit  begegnet, mich würdigend als Gast. Ich werde Salim vermissen, den Fischer, der verläßlich zwei- oder dreimal die Woche an meine Tür klopfte mit dem feinsten frischen Fang von Rotbarsch; Aswif, Yusuf und Thabit unsere gutgelaunten Bootskapitäne von Weitem einen Gruß zurufend; Omar, bärtig und lebhaft seine Hunde am Strand ausführend und viele andere Leute aus dem Dorf, die meinen Aufenthalt hier zu einem vollständigen Vergnügen gemacht haben.

Yusuf
Yusuf

Die Caravan steht auf dem Asphalt des Flughafens von Manda.  Wir fliegen nach Nairobi in zehn Minuten. Alles wird jetzt ein wenig langsamer sein auf Lamu aber die Verlockung ist zu groß als dass man der wiederstehen kann und der Strand wird eines Tages wieder die Sonnenanbeter begrüßen von nah und fern.

Das Beach House beim  Abflug
Das Beach House beim Abflug
Strand von Shela
Strand von Shela

Portrait Angelika Schuetz

Angelika Schuetz lebt im Dorf Shela auf der Insel Lamu und ist Verwalterin beim Shela House Management.

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Angelika Schuetz


Besteigung des Mt. Kenya auf der Sirimon / Chogoria Route

Ein Beitrag von Arnold Starosczyk (Lamu). Nachdem in den bisherigen Reportagen fast ausschließlich über die Reise entlang der Küste von Lamu bis in den Süden berichtet wurde, möchte ich nun über meine Besteigung des Mt. Kenya letztes Jahr berichten.

Der Mt. Kenya ist mit seinen 5199 m der zweithöchste Berg Afrikas, nach dem Mt. Kilimanjaro. Die meisten Bergsteiger, so wie auch ich, gehen “nur” zum Point Lenana (4985 m), weil er technisch einfach ist. Schon mal vorab, es war ein fantastisches Erlebnis. Ich komme ursprünglich aus Bayern und bin früher oft in den Alpen beim Bergsteigen gewesen, allerdings war mein höchster Berg bis dahin nur der Wilde Freiger in den  Stubaier Alpen (Österreich) mit 3418 m.

An einem Freitag Nachmittag Ende August bin ich von Lamu mit Safarilink nach Nairobi geflogen.  Am nächsten Tag in der Früh habe ich den Guide John und ein anderes Paar im Stadtzentrum getroffen und sind dann gemeinsam nach Nanyuki am Fuße des Mt. Kenya gefahren.  Dort wurden  die letzten Lebensmittel eingekauft, ich habe noch eine Mütze bekommen und anschließend sind wir zum Parkeingang am Sirimon Gate auf 2600 m Meereshöhe. Nachdem es kurz zuvor zu regnen begonnen hatte, war das letzte Stück mit dem Kleinbus auf der rutschigen Erdpiste etwas schwierig, aber die Gepäckträger für die Tour haben den Minibus an einigen Stellen angeschoben haben, dann klappte alles. Am Gate hat das Team unser Mittagessen zubereitet und generell muss ich sagen, das Essen war gut und reichlich.

Zuerst ging’s auf einem guten Weg zum Old Moses Camp auf 3340 m Höhe.  Beim Aufstieg hat man ein paar schöne Ausblicke, aber noch nichts Spektakuläres.  Ich hatte mich etwas müde gefühlt (körperlich), aber vielleicht hat’s daran gelegen, dass ich innerhalb von 24 Stunden von Meereshöhe bis auf 3400 m rauf bin.

Ich lebe seit mittlerweile 7 Jahren auf der Insel Lamu und dort haben wir NIE Temperaturen unter 22 Grad, deshalb hatte ich vor den Nachttemperaturen am Mt. Kenya einen Heidenrespekt. Im Jahr zuvor war ich in Malawi beim Bergsteigen (Sapitwa Peak, 3002 m) und in den Hütten war’s nachts eiskalt! Dort hatten wir sogar teilweise ein Lagerfeuer in der Hütte angemacht. Aber die Hütten am Mt. Kenya sind viel besser isoliert und vom Guide hatte ich einen guten Schlafsack bekommen. Und mit bis zu 7 Schichten Kleidung hatte ich es dann doch recht gut ausgehalten.

Vom Old Moses Camp ging’s durch das Mackinder Valley zum Shipton’s Camp auf 4200 m.

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Auf dem Weg dorthin hat man wunderschöne Ausblicke zum Mt. Kenya Massiv und eine beeindruckende Vegetation.  Manche Pflanzen, die in Europa nur klein sind, wachsen hier meterhoch. Im Mackinder Valley hatte es zum Graupeln angefangen und wir hörten Donnergrollen. Im Camp angekommen war erst einmal Aufwärmen angesagt und dann Mittagessen. Dort hatten wir auch einen etwa 14-jährigen Kenianer kennengelernt, der an diesem Tag mit seinem Guide auf dem Weg zum Batian war, aber wegen dem Gewitter umkehren musste. Er ist ein richtiger Kletterer und war schon mehrfach (in seinem Alter!) auf dem höchsten Punkt. Vom Camp hat man einen herrlichen Blick auf die Gipfel des Mt. Kenya und die umliegenden Berge.

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Aufstehen um 3 Uhr und Abmarsch zum Gipfel um 3:30. Der Gipfelanstieg ist einfach, erst beim letzten Stück muss man etwas konzentriert sein. Kurz vor Sonnenaufgang hatten wir es geschafft:  die Aussicht ist gigantisch.

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Und ich war auch froh, dass ich keine Probleme mit der Höhenkrankheit hatte.  Nach ausreichend Zeit auf dem Gipfel mit vielen Fotos sind wir dann zur Austrian Hut abgestiegen.  Dort sahen wir den Lewis Gletscher, der aber schon stark geschrumpft ist.

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Nachdem wir drei Bergsteiger alle in guter Verfassung waren (ich hatte früher Langstreckenlauf und Berglauf gemacht, die anderen beiden sind auch Läufer) hatten wir nach dem Gipfelsturm noch den Summit Circuit gemacht. Es war anstrengend, das letzte Stück zur Hütte hatte ich auch ein paar Knieprobleme, aber die Ausblicke sind vom Feinsten. Ein wirklich tolles Erlebnis! Zum Schluss hatte es noch angefangen zu schneien. Im Camp angekommen bin ich erst einmal in den Schlafsack zum Aufwärmen.

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Kurz vor dem Frühstück habe ich noch ein paar Fotos gemacht, als der Mt. Kenya schön von der Morgensonne angestrahlt wurde.

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Bevor es dann über die Chogoria Route wieder runterging, hatten wir erst nochmals ein paar Höhenmeter gemacht. Der Abstieg über die Chogoria Route ist landschaftlich phantastisch: Schnee, Gletscherseen, verschneite Pflanzen und dann natürlich noch das Massiv des Mt. Kenya.

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Wir übernachteten dann in den Chogoria Bandas und, welch ein Wunder, heißes Wasser zum Duschen!!!! Es ist mit dem Ofen gewärmt worden. Nachts waren noch Büffel auf dem Gelände, hat der Guide gesagt.  Die letzte Etappe nach Chogoria war ein langer Fußmarsch und wir waren alle froh, als wir im Ort angekommen sind. Nach dem Mittagessen sind wir mit dem Matatu wieder zurück nach Nairobi.

Bevor ich allerdings wieder nach Lamu zurückgeflogen bin, habe ich noch einen Tagesausflug zum Lake Magadi und zum Olorgesaille Prehistoric Park gemacht.

Fazit: eine Besteigung des Mt. Kenya ist ein super Erlebnis, mit toller, hochalpiner Landschaft. Ich kenne zwar nur die Sirimon- (Aufstieg) und Chogoria Route (Abstieg) aber ich war begeistert.  Und zum Relaxen nach der Besteigung kann man zu uns nach Lamu kommen und die traumhaften Strände genießen. Wir hatten übrigens schon mehrfach Gäste, die vor oder nach ihrem Aufenthalt bei uns im JamboHouse den Mt. Kenya bestiegen haben. Es gibt täglich Flüge von Nairobi nach Lamu mit Jambojet ab etwa 60 Euro einfach.


Arnold Starosczyk (Jambo House) Jambo Logo

Arnold Starosczyk ist Eigentümer und Betreiber des JamboHouse, eines Gästehauses auf der Insel Lamu. Alle hier veröffentlichten Fotos (c) Arnold Starosczyk / JamboHouse.


Der Stadtschreier von Lamu

Bwana Shee, Stadtschreier von Lamu
Bwana Shee, Stadtschreier von Lamu

Ein Bericht von John Njau, übersetzt von Angelika Schuetz (Lamu). Achtung! Achtung! Der Lamu Stadtschreier, nunmehr sicher, Ihr Gehör zu haben, schreit seine Ansage hinaus. Sei es die Ankündigung einer Gemeindeversammlung, die Ankunft eines Ehrengastes oder die Kunde über die Hochzeit eines jungen Paares. Für eine kleine Gebühr wird der Stadtschreier Ihre Nachricht den Bewohnern dieses kleinen jahrhundertealten Swahili-Vorpostens, der sich in mancher Hinsicht in den letzten 700 Jahren kaum verändert hat, übermitteln.

Behördengebäude in Lamu Stadt, ein sehr typisches Stadtbild
Behördengebäude in Lamu Stadt, ein sehr typisches Stadtbild

Als ich diesen Herrn Shee Bwana Shee zum ersten Mal seiner Arbeit nachgehen sah, bzw. hörte, da stutze ich sehr: welch ein Anachronismus, falls es ihn tatsächlich gibt. Wäre ich einem bärtigen englischen Hochradfahrer mit Melone begegnet, so wäre ich nicht mehr erstaunt gewesen. Wir kennen viele Bilder aus Büchern, wir erwarten aber nicht, diesen auch tatsächlich zu begegnen. Nicht im 21. Jahrhundert, wo Wissenschaftler das menschliche Genom erforscht haben und der 3D-Drucker kurz vor der Massenproduktion steht.

Herr Shee bei der Arbeit in Lamu Stadt
Herr Shee bei der Arbeit in Lamu Stadt

Stadtschreier haben eine reiche Geschichte, untrennbar verwoben mit den Strukturen von Gemeinden auf der ganzen Welt. Während dieser heutzutage ein kaum noch benötigter Dienst ist, in manchen entlegenen Ecken des Globus lebt er weiterhin fort. Angefangen bei den Läufern von Sparta im alten Griechenland bis hin zum mittelalterlichen England, dem Fort von Lamu und dem Strand von Shela, Shee trägt die Fackel einer uralten Tradition, eines wichtigen Amtes, welches hier nicht vom Aussterben bedroht ist.

Auch in das Dorf Shela kommt der Stadtschreier, die Kinder lieben es.
Auch in das Dorf Shela kommt der Stadtschreier, die Kinder lieben es.

Aus der Notwendigkeit heraus, meistens königliche Nachrichten oder politische Informationen zu übermitteln, musste der Ausführende dieses Amtes lesen und schreiben können. Und, darüberhinaus, zusätzlich mit einer gesunden Lunge ausgestattet sein sowie einer kräftigen Stimme. Die neuzeitliche Entwicklung macht es ihm seit einiger Zeit leichter, Herr Shee bedient sich eines batteriebetriebenen Megaphones, ich kann allerdings bestätigen, dass er auch ohne dieses Gerät seine Tätigkeit ausüben kann.

Vor 54 Jahren in Lamu geboren, besuchte Shee auf Lamu die Grundschule und Sekundarschule und zeigte schon früh ein Interesse am Rundfunk. Seine Ambitionen wurden jedoch nicht erhört: jedenfalls nicht, wie er es sich vorgestellt hatte. Er arbeitete viele Jahre lang als Gefängnisbeamter, man hatte ihn im Polizeidienst abgelehnt, da er das entsprechende Gardemaß nicht erreichte. Shee bekam nun endlich seine Chance bei den Medien im Jahre 2005. Die nationale Volkszählung war in vollem Gang, Bananen und Orangen, Symbole der rivalisierenden Parteien damals, trugen Früchte, wurden zu Zeichen des Umbruches und sind bis heute in unserer Geschichte von starker Bedeutung.

Er trug die Nachrichten hinaus, für beide politischen Seiten, und er wurde als Stadtschreier etabliert. Über die Jahre haben verschiedene Organisationen und Institutionen, aber auch die Behörden vor Ort, seine Fachkenntnis genutzt. Darauf ist er mit Recht stolz – auf die Rolle, die er spielt: Als Sprachrohr für das Gesundheitsamt zum Beispiel, um die einheimische Bevölkerung über die Gefahren und die Prävention der vermeidbaren Malaria zu unterrichten.

„Achtung! Achtung! Noch reduzierte Restplätze frei.“ Herrn Shees Kunde heute ist eine einheimische Fluggesellschaft.

In der enggestrickten Lamu Gesellschaft ist Shee eine bekannte Figur mit seinem Bart und seinem weißen Megaphon, und wenn man hört „Achtung! Achtung!“  dann steht man still und hört hin.

In Beantwortung meiner Frage, die Zukunft seines Amtes betreffend, informiert mich Herr Shee, dass er sich sicher ist, dass sein Amt  unentbehrlich ist in einer Gemeinde wie Lamu, egal wie die Technologie fortschreitet. Es ist eine unschöne Tatsache, dass Lamu im Landesschnitt an der unteren Grenze der Alphabetisierung angesiedelt ist und da bietet es sich an, gewisse Informationen auf diesem Wege zu übermitteln.

Ich frage ihn, welches der ungewöhnlichste Auftrag bislang in seiner Karriere gewesen ist und er lacht und erzählt mir, wie ein Politiker ihn anheuern wollte, dessen Rivalen zu besudeln. So etwas hat er stets abgelehnt. Einmal hat er sich eine Tracht Prügel verdient mit einer übermittelten Nachricht, einen Grundstücksdisput betreffend.

Im mittelalterlichen Europa war die Beleidigung des Stadtschreiers ein schweres Vergehen. Daher, denn die Nachrichten wurden im Auftrag des Königs übermittelt, genoss der Stadtschreier den Schutz des königlichen Hofes. Leider, gibt es für Shee in der heutigen Zeit eine solche Souveränität nicht mehr und er ist sich selbst überlassen, sollten bestimmte Elemente seine Nachricht als unangenehm empfinden.

Zuschauer beim Lamu Kulturfestival
Zuschauer beim Lamu Kulturfestival

Seine ausgebuchteste Zeit ist während des Lamu Kulturfestivals. Da kommt so ein Leuchten in seine Augen in Erwartung dieser, für ihn sehr bewegten Zeit.

Hier geht es zum Strand von Shela. Hier etwa endet das Arbeitsgebiet von Herrn Shee.
Hier geht es zum Strand von Shela. Hier etwa endet das Arbeitsgebiet von Herrn Shee.

Portrait Angelika Schuetz

Angelika Schuetz lebt im Dorf Shela auf der Insel Lamu und ist Verwalterin beim Shela House Management.

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Angelika Schuetz


Golfen im Paradies!

Ein Beitrag von Andreas Vogt, Nairobi. Viele Reisende sind der Meinung, Kenia hat “Strand” und “Wilde Tiere” zu bieten. Das ist richtig, aber da ist “sooooo viel mehr”!

Als passionierter Golfer habe ich in vielen Ländern und auf vielen Kursen gespielt, manche schwer, manche leichter, manche irgendwo dazwischen, sei es Nord-Europa oder Südostasien.

In Kenia gibt es Golfplätze, die für jeden Spieler geeignet sind, von der Küste bis zum Rift Valley. Eine immense Anzahl an Kursen mit allen Schwierigkeitsgraden erwartet den Spieler.

ThikaGreensClubHouse
Thika Greens Golf Club

Vipongo Ridge, im Moment der wohl beste Kurs an der Küste Kenias ist ein “Links” Kurs dem man mit Respekt begegnen sollte. Wie jeder Links Kurs muss man mit tückischen Seitenwinden rechnen, die Caddies (welche generell ein einstelliges Handicap haben) kennen sich bestens aus und es empfiehlt sich auf deren Ratschlag zu hören, um das Rough und andere “Hazards” zu vermeiden.

Bekannte Kurse in Nairobi wie zum Beispiel Windsor Golf and Country Club, Muthaiga Golf Club, Railways Golf Club oder auch Kurse etwas außerhalb von Nairobi z.B. Sigona Golf Club, VetLab Golf Club oder der neue Thika Greens Golf Club sind alle bestens gepflegt, die Fairways grün und die Greens teilweise “rasend-schnell”.

VetLab Golf Club
VetLab Golf Club
Thika Greens Golf Club
Thika Greens Golf Club

Alle Golfplätze, mit Ausnahme von Ngong Race Course Golf Club erlauben eine Gruppe von mindestens 3, maximal 4 Spielern. Die Greenfees variieren ein wenig, liegen aber zwischen 40 und 80 Euro, je nachdem ob man an einem Wochentag spielen möchte oder ein Wochenende vorzieht.

Man sollte sich nach der “Club Night” erkundigen, denn an diesem Tag werden clubfremde Spieler in der Regel nicht zugelassen.

Besonders zu erwähnen ist der Rift Valley Golf Club, mit dem Auto von Nairobi in etwa 1.5 Stunden zu erreichen, eine gelungene Mischung aus Golf und “Wildlife”. Man hat nicht nur das Glück, Zebras und Gazellen auf dem Fairway zu sehen, man wird nach dem Spiel von drei Pfauen am achtzehnten Loch “empfangen”.

Great Rift Valley Golf Club
Great Rift Valley Golf Club
Rift Valley Golf Club
Great Rift Valley Golf Club

Ob eine gemütliche Runde auf einem der Kurse oder eine komplette Golf-Rundreise, Kenia bietet Golfen wie im Paradies.

Golfen in Kenia ……… einfach empfehlenswert !


Andreas Vogt (Portrait) Muthaiga Travel

Andreas Vogt arbeitet im Management-Bereich von Muthaiga Travel Ltd., einem Reiseunternehmen in Nairobi.

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Andreas Vogt